Politik - Nachricht - Kommunalpolitik

Katrin Kunert
Kommunal- und sportpolitische Sprecherin der Fraktion DIE
LINKE.
Geboren am 06.04.1964, Beruf: Diplom-Ingenieur (FH)
Landesliste Sachsen-Anhalt - Wahlkreis 66 Altmark
Schwerpunktvorhaben der Bundestagsfraktion auf kommunalpolitischem Gebiet für die 16. Wahlperiode
- Gekürzte Fassung -
Die kommunalpolitische Arbeit der Bundestagsfraktion DIE LINKE. sollte grundsätzlich folgende Funktionen erfüllen:
Erstens geht es um parlamentarische Initiativen, verbunden mit außerparlamentarischen Aktionen, die auf eine Stärkung der Städte, Gemeinden und Landkreise sowie auf die tatsächliche Verwirklichung der grundgesetzlich verankerten Selbstverwaltung abzielen. Im Zusammenhang damit werden alle Initiativen der Bundestagsfraktion DIE LINKE. und anderer Fraktionen sowie der Bundesregierung daraufhin abgeprüft, welche Wirkungen sie auf Kommunen haben („Kommunaler TÜV“). Dieser Aufgabe wird sich insbesondere die AG Kommunalpolitik, die sich am 16. Januar 2006 konstituiert hat, annehmen. Darüber hinaus werden alle Fraktionsmitglieder parlamentarische Initiativen - Anträge und Anfragen -, die kommunalrelevante Fragen beinhalten, bereits im Entwurfsstadium mit dem Büro Katrin Kunert abstimmen und koordinieren. Das trifft ebenso auf unsere Bewertung von parlamentarischen Initiativen der Bundesregierung und der anderen Fraktionen zu.
Zweitens macht es sich die Bundestagsfraktion zur Aufgabe, Entscheidungsprozesse und Entscheidungen des Europäischen Parlaments, des Bundestages, des Bundesrates und der Bundesregierung zu kommunalpolitisch relevanten Fragen transparent darzustellen, Öffentlichkeit herzustellen und eine rechtzeitige Einbeziehung von Kommunen und kommunalen Spitzenverbänden einzufordern und selbst zu praktizieren.
Drittens wird die Bundestagsfraktion - anknüpfend an die Erfahrungen und Ergebnisse der Arbeit der Bundestagsfraktion vorangegangener Wahlperioden - weiterhin das Wirken der über 7.000 kommunalen Mandatsträger/innen in Städten, Gemeinden und Landkreisen in der Bundesrepublik sowie der haupt- und ehrenamtlichen Bürgermeister/innen mit dem Mandat der Linkspartei bzw. der WASG in geeigneter Weise unterstützen.
I. Kommunalpolitische Schwerpunkte der Linksfraktion im Bundestag
Bei allen parlamentarischen Initiativen sind Querschnittsaufgaben zu berücksichtigen. Dazu gehören u.a. die Gleichstellung von Frauen und Männern sowie der Menschen mit Behinderungen (insbesondere die Gewährleistung der Barrierefreiheit). Des Weiteren die Berücksichtigung der Lebenslagen und Interessen von Kindern und Jugendlichen, von Seniorinnen und Senioren sowie der Menschen mit Migrationshintergrund, unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und Ost-West-Erfahrungen.
1. Gesellschaftliche Emanzipation stärken – Direkte Demokratie, Partizipation und Transparenz weiter entwickeln
Themenvorschläge für mögliche parlamentarische Initiativen:
- Demokratisierung des Wahlrechts, einschließlich der
Einführung eines kommunalen Wahlrechtes für Bürgerinnen
und Bürger aus Nicht-EU-Staaten
- Demokratisierung des Petitionsrechts
- Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements (Verbesserung
der gesetzlichen Bedingungen für das bürgerschaftliche
Engagement im Steuer-, Haftungs- und Sozialversicherungsrecht)
- Kritische Begleitung der neuen Bundesprogramme im Kampf gegen Rechtsextremismus
Parlamentarische Initiativen würden wir zu folgenden Themenkomplexen vorschlagen:
- Änderungen des Grundgesetzes zur Stärkung der kommunalen
Selbstverwaltung:
a. Durchgriffsrechte des Bundes nur in Ausnahmefällen gewähren;
b. Verankerung des Konnexitätsprinzips;
c. Mitwirkungsrecht der Kommunen an der Gesetzgebung des Bundes.
- Für bereits vollzogene Aufgabenübertragungen (Ausbau
der Kindertagesbetreuung für unter dreijährige; Ausbau
von Ganztagesschulen; Eingliederungshilfe für Behinderte;
Eisenbahnkreuzungsgesetz; Hartz IV - u.a Kosten der Unterkunft)
ist ein Mehrbelastungsausgleich zu erstatten.
- In EU-Angelegenheiten mit kommunalpolitischer Relevanz muss den kommunalen Spitzenverbänden ein Anhörungsrecht eingeräumt werden und die Kommunen sollten direkt Stellungnahmen abgeben können.
Zur Verwirklichung einer nachhaltigen Gemeindefinanzreform schlagen wir folgende mögliche parlamentarische Initiativen vor:
- Reform der Gewerbesteuer
- Modernisierung der Grundsteuer unter verstärkter Berücksichtigung
ökologischer und stadtentwicklungspolitischer Belange
- Neuordnung der Anteile des Bundes, der Länder und der
Kommunen an den Gemeinschaftssteuern im Zusammenhang mit
der Neuordnung der Finanzbeziehungen zwischen Bund und
Ländern
- Schrittweise Abschaffung der Gewerbesteuerumlage
- Neuauflage einer kommunalen Investitionspauschale für
ostdeutsche und finanzschwache westdeutsche Kommunen als
Bestandteil des Zukunftsprogramms der Linksfraktion
- Evaluierung der Fördermittelprogramme (Vereinfachung,
Bündelung und Pauschalisierung)
- Kritische Begleitung der bundesweiten Einführung der Doppik auf kommunaler Ebene mit dem Ziel einer transparenten Darstellung der kommunalen Haushalte und der Möglichkeit einer öffentlichen Kontrolle über die Verwendung öffentlicher Mittel durch die Bürgerinnen und Bürger.
Themenkomplexe für mögliche parlamentarische Initiativen:
- Mindestanforderungen für Leistungen der Daseinsvorsorge
bei Erhalt der kommunalen Gestaltungshoheit
- Auswirkungen der EU-Dientsleistungsrichtlinie auf die
Kommunen
- Veränderung der Finanzierungsgrundlagen für den öffentlichen
kommunalen Verkehr, insbesondere den ÖPNV
- Änderung des Eisenbahnkreuzungsgesetzes mit dem Ziel
der Übernahme des Anteils der Kommunen durch den Bund
- Stopp des GATS-Prozesses und weiterer EU-Liberalisierungsprojekte
sowie Aktionen gegen die Bolkenstein-Richtlinie
- Unterstützung der europaweiten Lütticher Anti-GATS-Initiative
Themenkomplexe für mögliche parlamentarische Initiativen:
- Förderung der interkommunalen und grenzüberschreitenden
Zusammenarbeit
- Reform des Vergaberechts und Einführung sozialer Kriterien
sowie eines Antikorruptionsverzeichnisses
- Reform des Beschaffungswesen unter nachhaltigen und
ökologischen Gesichtspunkten
- Stärkung der kommunalen Wohnungswirtschaft, u.a. durch
Abschaffung des Altschuldenhilfegesetzes und Modifizierung
von Förderprogrammen
- Schaffung von Voraussetzungen für eine nachhaltige aktive Beschäftigungspolitik, für eine neue Qualität öffentlich finanzierter Beschäftigung
Themenkomplexe für mögliche parlamentarische Initiativen:
- Revision der Kosten der Unterkunft und bundeseinheitliche
Kriterien für Kosten der Unterkunft;
- angemessene Finanzausstattung der Kommunen zur Sicherung
eines bedarfsgerechten und hochwertigen Netzes von kommunalen
Angeboten zur Kinderbetreuung;
- Absicherung der Finanzierungsgrundlage der Pflegeversicherung,
damit insbesondere die steigenden Kosten stationärer Pflegebedürftigkeit
nicht zu Lasten der Kommunen gehen;
- Lösung des Problems der nicht mehr verkraftbaren kommunalen Belastungen bei der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen
Themenkomplexe für mögliche parlamentarische Initiativen:
- Zusammenführen und Aufstocken der Programme Städtebauförderung,
Stadtumbau und Soziale Stadt und ihre Ausrichtung auch
auf strukturschwache Klein- und Mittelstädte sowie Umwidmung
von Fördermitteln für die Entwicklung des ländlichen Raumes,
- Offensive Nutzung der Erfahrungen aus dem Stadtumbau
Ost für den Stadtumbau West,
- Unterstützung der von Standortschließung der Bundeswehr
betroffenen Kommunen durch Einrichtung eines Bundeskonversionsfonds
- Verbesserung der Umweltsituation in den Städten, kommunalfreundliche Novellierung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes.
II. Zur unmittelbaren Unterstützung des Wirkens kommunaler Mandatsträger/innen in Städten, Gemeinden und Landkreisen in der gesamten Bundesrepublik sowie der haupt- und ehrenamtlichen Bürgermeister/innen mit dem Mandat der Linkspartei bzw. der WASG sind vor allem folgende Vorhaben vorgesehen:
1. Kommunalpolitische Konferenzen und Veranstaltungen
Anknüpfend an die guten Erfahrungen der Arbeit der Bundestagsfraktion der letzten Wahlperioden wird in enger Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung e.V. der bundesweite Erfahrungsaustausch und Dialog zu wichtigen kommunalen Themen durch folgende Veranstaltungen befördert:
- Regelmäßige Beratungen der Bundestagsfraktion mit den
kommunalpolitischen Sprecher/innen der Landtagsfraktionen;
- regelmäßige Bürgermeisterkonferenzen;
- Fachtagungen, Anhörungen und Bildungsveranstaltungen
zu grundsätzlichen Fragen wie Stadtumbau, Privatisierung,
Bürgerhaushalt, Bürgerkommune, Gemeindefinanzreform;
- bundesweite Kommunalpoltische Konferenzen;
- Kommunaltour der Bundestagsfraktion entsprechend der landespolitischen Erfordernisse.
2. Wahlkreisarbeit
Zur Unterstützung der Arbeit der kommunalen Mandatsträger
werden alle Fraktionsmitglieder die Wahlkreisarbeit in enger
Zusammenarbeit sowohl mit kommunalpolitischen Akteuren als
auch mit kommunalen Mandatsträgern sowie haupt- und ehrenamtlichen
Bürgermeister/innen mit dem Mandat der Linkspartei bzw.
der WASG gestalten.




