27.05.2008 - Volksstimme - Katrin Kunert
Außerordentlicher Landessporttag mit Fehlstart
Der außerordentliche Landessporttag in Bernburg am 24. Mai sollte einen Neuanfang markieren, legte aber aus meiner Sicht einen Fehlstart hin.
Die im Bericht des Landesrechnungshofes aufgelisteten Missstände beim Umgang mit Fördergeldern und der unübersichtlichen Struktur von Gesellschaften und Tochtergesellschaften, die Alleingänge des Präsidenten und Hauptgeschäftsführer des LSB sowie der bezifferte Schaden in Höhe von 6 Millionen Euro haben die sachsen- anhaltische Sportwelt durcheinander gebracht.
In den letzten Jahren haben Hauptamt und Ehrenamt scheinbar nicht mehr miteinander sondern vielmehr nebeneinander agiert. So sind in der Satzung des LSB keine Kassenprüfer mehr vorgesehen, es wurden Mindestmitgliedsbeiträge beschlossen und in Vorbereitung von Landessporttagen sind z.B. für die Aufstellung von Kandidatinnen und Kandidaten Fristen festgelegt, die defacto spontane Kandidaturen ausschließen.
Alles Probleme, die bei einem Neuanfang mit auf der Agenda stehen müssen und vor allem auch entschieden werden müssen.
Nun war auf dem Landessporttag in Bernburg die Landespolitik "stark" vertreten. Angefangen vom Ministerpräsidenten über die Sozialministerin bis hin zu allen sportpolitischen SprecherInnen der Fraktionen im Landtag.
Die Grußworte der beiden Regierungsvertreter sprachen Bände und konnten unterschiedlicher nicht sein. MP Böhmer lobte unter dem Motto " Nur wer etwas tut, kann auch Fehler machen.." die Delegierten für die Leistungen im Sport und erklärte gewissermaßen die Aufklärung für abgeschlossen, zumindest war aus seinen Worten nicht zu entnehmen, dass die Verantwortlichen auch mit Konsequenzen rechnen müssen.
Herr Böhmer hat völlig außer acht gelassen, das die
finanziellen Sickergruben in Form von immer mehr Gesellschaften zu
einer Unüberschaubarkeit führten, die immer mehr Geld in
Anspruch nahm, was letztendlich dem Breitensport hätte zugute
kommen können.
Zudem haben die Leistungen bei Weltmeisterschaften und Olympischen
Spielen nun wahrlich kaum etwas mit dem Landesbudget zutun, denn dafür
ist der Bund zuständig!
Frau Kuppe hingegen fand klare Worte und brachte die Probleme auf den Punkt.
Und so gestaltete sich auch die Stimmung insgesamt, ich hatte teilweise den Eindruck, dass die Mehrheit der Delegierten der Auffassung war, die Politik( das Sozialministerium) habe nach dem Bericht des Rechnungshofes überreagiert und man hätte ja miteinander reden können.
Die Aussprache dauerte maximal eine halbe Stunde und ich hatte nicht das Gefühl, dass die Delegierten nicht in eine echte Debatte einsteigen wollten. " Worüber sollen wir denn noch reden" oder " es ist doch alles gesagt" war mit Hinweis auf die Zeit zu hören.
Die Wahl des neuen Präsidiums gestaltete sich problemlos, da
im Vorfeld eine Findungskommission tätig war.
Unverbrauchte Leute werden nun die Geschicke des LSB leiten, das heißt,
keiner (bis auf eine) aus dem alten Präsidium trat zur Wiederwahl
an.
Ich hätte bei den Vorstellungen der Kandidatinnen und Kandidaten
gern etwas über die künftigen Aufgaben aus ihrer Sicht und
die ihre Meinung zu den gestellten Anträgen gehört, um auch
inhaltlich ein Bild über die "neuen" Leute zu bekommen...
Trotz beschlossener Tagesordnung wurde zum Ende des Sporttages der Antrag gestellt, die Anträge zu Satzungsänderungen, zu Änderungen der Finanzordnung, zu den Mindestmitgliedsbeiträgen und zum Haushalt zu vertagen und sie dem Hauptausschuss zuzuleiten.
Alle Anträge wurden fristgemäß eingereicht. Selbst
die Satzungsänderungen wurden in einer Synopse zusammengestellt,
so dass alle sich ordentlich auf diese Beschlussfassung hätten
vorbereiten können.
Allein die Anträge zur Abschaffung oder Abänderung der Mindestmitgliedsbeiträge
kamen aus 11 Kreisen!
Alle Anträge wurden mit einer großen Mehrheit vertagt!
Delegierter beim Landessporttag heißt anscheinend: Anträge
weiterdelegieren und nichts selbst entscheiden!
Ist das die neue Qualität?
Bei dem schönen Wetter müsse man es ja nicht in die Länge
ziehen und die Versammlungsleitung wollte schließlich noch das
Diskuswerfen im Rahmen eines Wettkampfes in der Nähe erleben.
Die Behandlung der Anträge hätte vielleicht 1 bis 2 Stunden
gedauert, aber das war den Delegierten zu viel.
Ich gebe zu, etwas naiv zu diesem Sporttag gefahren zu sein. Ich hatte die Vorstellung, dass neben einem neuen Präsidium Klarstellungen erfolgen, neue Aufgaben benannt und Beschlüsse gefasst werden.
Es wird in den nächsten Wochen nicht einfach, die Förderkriterien im Land neu zu ordnen, um die Kernbereiche des Sports abzusichern. Über die Funktionen des Sports und deren Notwendigkeit der Förderung sind sich alle einig.
Spielregeln gibt es aber auch im Umgang mit öffentlichen Geldern,
hier wird sich in Zukunft zeigen, ob ein Fairplay möglich ist.
Autonomie des Sports bedeutet, das der Sport im fachlichen Bereich
allein entscheiden kann und muss. Da darf Politik nicht reinreden.
Aber Autonomie bedeutet nicht, dass man mit öffentlichen Geldern
machen kann, was man will.
Ein ordentliches Sportfördergesetz- wie z. B. in Mecklenburg-
Vorpommern, dass unsere Handschrift trägt- wäre eine gute
Grundlage für die Zukunft des Sports in Sachsen- Anhalt.
Katrin Kunert
Mai 2008




