Kommunales Wahlrecht für Drittstaatenangehörige einführen
Die Fraktion DIE LINKE will Nicht-EU-Bürgerinnen und
-Bürgern die Teilnahme an Kommunalwahlen ermöglichen. Der
Bundestag berät heute in erster Lesung einen entsprechenden Antrag
der Fraktion. In 16 EU-Staaten ist das kommunale Wahlrecht für
Drittstaatenangehörige bereits Realität. Den rund 5 Millionen
in Deutschland lebenden Nicht-EU-Bürgerinnen und -Bürgern
wird dieses Recht weiter vorenthalten.
"Das Fehlen von Möglichkeiten demokratischer Partizipation ist
eine große Barriere für erfolgreiche Integration", erklärt
die kommunalpolitische Sprecherin der Fraktion, Katrin Kunert. Sie
verweist auf die Erfahrungen in den erwähnten europäischen
Ländern, in denen Wissenschaft und Politik positive Effekte für
die Integrationspolitik festgestellt haben. "Durch das kommunale Wahlrecht
ist in diesen Ländern das Interesse an kommunalpolitischen Zusammenhängen
bei den Migrantinnen und Migranten erheblich gestiegen" resümiert
Kunert.
"Die Einführung des kommunalen Wahlrechts ist ein längst
überfälliges Integrationssignal. Nicht-EU-Bürgerinnen
und -Bürger leben im Durchschnitt seit mehr als 17 Jahren in
der Bundesrepublik", sagt Sevim Dagdelen, migrationspolitische Sprecherin
der Fraktion. Gewerkschaften, Sozialverbände, Kirchen und Migranten-Organisationen
fordern seit langem die Einführung des kommunalen Wahlrechts
für Drittstaatenangehörige und richten sich am heutigen
Tag mit einem gemeinsamen Aufruf an die Öffentlichkeit.
Die beiden Abgeordneten begrüßen den aktuellen Entwurf
der Grünen-Fraktion zur Änderung des Grundgesetzes, um das
kommunale Wahlrecht zu ermöglichen. Erfreulich sei auch, dass
aus den Reihen der SPD in letzter Zeit Stimmen laut geworden seien,
die die Einführung des kommunalen Wahlrechts forderten.
"Nach dem Integrationsgipfel und den Diskussionen der letzten Monate
ist nun die Politik gefordert, diesen Misstand zu korrigieren. Wenn
Migrantinnen und Migranten immer größere Integrationsleistungen
erbringen, muss man auch bereit sein, rechtliche Missstände und
Benachteiligung zu korrigieren", fordert Dagdelen. "Integration ist
keine Einbahnstrasse!"




