01.02.2007 – Katrin Kunert
Regularien zum Doping müssen international geklärt werden
Katrin Kunert (DIE LINKE): Nachdem Deutschland dem internationalen
Übereinkommen gegen Doping im Sport beigetreten ist, müssen noch ausstehende
Regularien international geklärt werden. Somit ist der Entwurf eines
Gesetzes zu dem Zusatzprotokoll zum Übereinkommen gegen Doping nur
folgerichtig. Das Zusatzprotokoll schafft die Grundlage für die gegenseitige
Durchführung und Anerkennung von Dopingkontrollen. Dadurch kann die
Wirksamkeit der Kontrollen erhöht werden. Bilaterale und multilaterale
Vereinbarungen können transparenter und effizienter werden. So positiv
die Tatsache auch zu werten ist, dass inzwischen über 40 Staaten dem
Übereinkommen gegen Doping im Sport beigetreten sind, so vermisse
ich schon einige Sportnationen, die im wirksamen Kampf gegen Doping
wichtig wären.
Wenn wir über die Bekämpfung des Dopings im Sport reden und über geeignete
Maßnahmen streiten, müssen viele Gesichtspunkte berücksichtigt werden.
So finde ich die Feststellung in der Einleitung des Antrages der Grünen
vom Ansatz her richtig. Dort heißt es: „Erkennbar ist auch, dass der
Sport alleine mit den Problemen nicht fertig werden kann. Dies bedeutet
nicht, dass staatliche Maßnahmen anstelle der Dopingbekämpfung durch
den Sport treten sollen. Vielmehr müssen Sport und Staat ihre Maßnahmen
und Strategien zur Dopingbekämpfung verbessern.“
Die Grünen schlagen eine Vielzahl von Maßnahmen vor, die in der Tat
diskussionswürdig sind. Dieser Antrag ist als Grundlage besser geeignet
als die von der Koalition nach hartem Ringen veröffentlichte Presseerklärung
zu diesem Thema. Die Erhöhung der bundesstaatlichen Finanzmittel zur
Dopingbekämpfung ist erforderlich. Das sehen wir genauso. Ein Sportfördergesetz
des Bundes hat die Linke bereits im Rahmen der Debatte um das Sportwettenmonopol
vorgeschlagen. Wir brauchen ein Sportfördergesetz – unabhängig vom
Kampf gegen das Doping. Ein solches Gesetz sollte sich nicht nur auf
die Dopingbekämpfung beschränken. Problematisch an dem Antrag der
Grünen ist jedoch, dass ausweislich der Begründung auch bei Verstößen
durch einzelne Sportlerinnen und Sportler den Sportfachverbänden finanzielle
Mittel gesperrt, gekürzt oder zurückgefordert werden können. Hier
würde ein ganzer Verband für das Fehlverhalten eines einzelnen Sportlers
in Haftung genommen. Die Frage, ob und inwieweit bestehende strafrechtliche
Sanktionen verschärft bzw. weitere Sanktionsmöglichkeiten – insbesondere
gegen die Athletinnen und Athleten – geschaffen werden sollten, sollte
nicht vorschnell mit Ja beantwortet werden. Auch ich lehne die Einführung
der sogenannten Besitzstrafbarkeit bei den Sportlern ab.
Der Vorschlag der Koalitionsfraktionen lässt offen, wie die nicht
geringe Menge zu bestimmen ist. Für den Bereich des Sports ist es
wohl unzumutbar, erst nach zeitintensiven rechtlichen Auseinandersetzungen
in dieser Frage Klarheit zu bekommen. Im Übrigen sind die Grenzwerte
des Betäubungsmittelgesetzes auf Dopingsubstanzen nicht anwendbar.
Die vorgeschlagene Zusammenarbeit mit den Ländern, Informations- und
Aufklärungskampagnen oder der Informationsaustausch zwischen Staatsanwaltschaften,
NADA und Sportorganisationen und die Berichterstattung der Bundesregierung
zum Antidopingkampf sind zweifelsohne wichtige Maßnahmen im Kampf
gegen Doping. Aber bewältigen wir das Problem nur mit Sanktionen;
nur mit Maßnahmen gegen etwas?
Wir müssen für Bedingungen in dieser Gesellschaft sorgen, die Doping
uninteressant machen! Mir fehlen im Antrag der Grünen Maßnahmen zur
Stärkung des Sportlers oder besser gesagt das Wirken für den Sportler.
Die Gesellschaft verlangt von unseren Athleten immer nur Spitzenleistungen.
Die Öffentlichkeit kann himmelhoch jauchzend Siege feiern, aber wehe,
die Deutschen versagen mal.
Die Linke ist für eine umfassende Debatte zum Sport; angefangen beim
Schulsport bis hin zum Leistungssport. Wie begleitet der Staat den
Sportler von der Talentförderung bis zum Karriereende? Wie werden
die Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Sport, Studium oder Berufsausbildung
geschaffen? Wie wird Sportwissenschaft betrieben, um effektivere Trainingsmethoden
zu entwickeln? Es gibt interessante Projekte, die sich diesen Themen
widmen. Abschließend möchte ich noch einmal kurz auf die gestrige
Anhörung im Sportausschuss eingehen. Es hat sich herausgestellt, dass
die handelnden Akteure bei den Dopingkontrollen sowohl Kommunikations-
als auch Auslegungsschwierigkeiten haben. Wichtig aber war für alle
Beteiligten, dass der Wille da ist, gemeinsam etwas gegen Doping zu
tun. In diesem Sinne werden wir, sobald der bereits angekündigte Gesetzentwurf
der Bundesregierung vorliegt, noch eine intensive Debatte führen müssen.




