05.03.2009 - Katrin Kunert
Duale Karrieren im Spitzensport fördern und den Hochschulsport strategisch weiterentwickeln
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Die Groe Koalition will die Situation der studierenden Spitzensportlerinnen und Spitzensportler verbessern. Der umfassende Trainings- und Wettkampfbetrieb soll mit einem erfolgreichen Studium unter einen Hut gebracht werden. Aus sportpolitischer Sicht ist das völlig in Ordnung. Aber Ihr Antrag taugt nicht dazu, dieses Problem zu lösen. Es wird nur an den Symptomen herumgedoktert. Die wirklichen Ursachen werden ausgeblendet.
Fakten zur Situation an den Hochschulen:
Erstens. Studierende werden mit hochschuleigenen Zugangsbeschränkungen
und Studiengebühren konfrontiert. Hochschulen und Universitäten
hängen am Tropf des jeweiligen Landes und sind chronisch unterfinanziert.
Das führt
dazu, dass immer weniger Studierende ihr Studium beenden bzw. es in
der Regelzeit abschließen können.
Zweitens. Studieren bedeutet eine enorme Belastung. Der Prüfungsdruck
nimmt zu. Es gibt weniger Wahlbereiche.
Wettbewerb und Exzellenzinitiative sind Herausforderungen, denen sich
die Hochschulen zu stellen haben.
Drittens. Prekäre Arbeitssituationen im akademischen Mittelbau und schlechte Betreuungsrelationen sind zur Normalität geworden. Die Studienreform ging Hand in Hand mit einem Prozess der Entdemokratisierung an den Hochschulen.
(Beifall bei der LINKEN)
Viertens. Frauen stellen zwar 50 Prozent der Studierenden.
Aber nur jede siebte oder achte Frau hat die Möglichkeit, eine
Professur zu erhalten. Zudem verschärft sich die soziale Situation
der Studierenden, weil unter anderem das BAföG sein ursprüngliches
Ziel verfehlt. Das BAföG deckt nicht den Bedarf und hinkt quasi
der realen Studiumsdauer weit hinterher.
(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)
Heute müssen 60 Prozent der Studierenden nebenbei jobben. Nur 29 Prozent der Studierenden bekommen BAföG. Das ist nicht hinnehmbar.
(Beifall bei der LINKEN)
Diese Bedingungen an den Hochschulen führen dazu, dass es immer schwieriger ist, ein Studium zu absolvieren. Die Verkürzung und die Konzentration des Studiums bringen Probleme mit sich. Nun soll es für Spitzensportler eine Ausnahme geben.
(Dagmar Freitag [SPD]: Jetzt kommen wir zum Thema! - Dr. Peter Danckert [SPD]:Hartz IV kommt noch!)
Sie übersehen aber, dass nicht nur Spitzensportlerinnen und Spitzensportler, sondern gleichermaßen auch Studierende mit Kind, Studierende aus einkommensschwachen Familien, Studierende mit Behinderung, ausländische Studierende oder Studierende, die einen Familienangehörigen pflegen, mit erschwerten Bedingungen in einem Studium zu kämpfen haben. Wir wollen, dass allen Studierenden gute Studienbedingungen garantiert werden. Sonderkonditionen für Einzelpersonen sind daher wenig hilfreich. Für alle muss der Zugang gleichermaßen gesichert werden.
(Beifall bei der LINKEN)
Wir fordern erstens die Verbesserung der sozialen Situation der Studierenden, also ein durchgängiges Studiengebührenverbot und ein umfassendes BAföG,
(Beifall bei der LINKEN)
ein BAföG als elternunabhängige, repressionsfreie und soziale Studienförderung.
(Swen Schulz [Spandau] [SPD]: BAföG für Arztkinder! Super!)
Die Linke wird demnächst einen Antrag einbringen, der darauf abzielt, die Studienzugangsvoraussetzungen zu verbessern.
Wir fordern zweitens: Studium darf keine Fortsetzung von Schule sein. Es muss also weniger verschulte Studienordnungen geben. Studierende brauchen mehr Freiräume, geringere Präsenzzeiten und den Ausbau der Möglichkeit eines Teilzeitstudiums. Das trifft für Sportlerinnen und Sportler in gleichem Maße zu, Herr Gienger. Es geht generell darum, die Bedingungen zu verbessern.
(Eberhard Gienger [CDU/CSU]: Wir sind also noch beim Thema!)
Es geht nicht um ein Studium light, sondern um ein Studium A la carte.
(Beifall bei der LINKEN)
Um dies umsetzen zu können, müssen wir über die Zuständigkeiten der Hochschulen reden. Es reicht nicht aus, bereits gefasste Beschlüsse von Kultusminister- oder Sportministerkonferenzen aufzufrischen. Appelle haben sich bisher immer als wirkungslos erwiesen. Was hat sich durch den Beschluss der Kultusministerkonferenz zum Schulsport verbessert? Nichts!
(Detlef Parr [FDP]: Das ist leider wahr!)
In diesem Punkt liegen die Zuständigkeiten bei den Ländern.
Ein Problemfeld ist die Sportförderung des Bundes. Das Thema
Hochschulsport nimmt nur wenige Zeilen in der Berichterstattung der
Bundesregierung ein. Die Vereinbarkeit sportlicher und beruflicher
Karriere muss mehr Raum einnehmen, im Sinne von Bestandsaufnahme und
Ableiten konkreter Maßnahmen. Es fehlt zudem ein Sportförderungsgesetz
des Bundes, welches ein Konzept beinhalten muss, das Sportlerinnen
und Sportlern die Vereinbarkeit von Sport, Berufsausbildung, Studium
und Beruf tatsächlich ermöglicht. Sportlerinnen und Sportler
müssen finanziell unabhängig sein. Sie müssen eine
berufliche Perspektive haben. Hier ist die Gesellschaft gefordert.
Ich danke Ihnen.
(Beifall bei der LINKEN)




