Für eine neue soziale Idee.

Sport
 Katrin Kunert

Katrin Kunert

Kommunal- und sportpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE.
Geboren am 06.04.1964, Beruf: Diplom-Ingenieur (FH)
Landesliste Sachsen-Anhalt - Wahlkreis 66 Altmark

 

 

Peking 2008:

Mein Olympia-Rückblick

Vor einigen Tagen gingen die XXIX. Olympischen Sommerspiele in Peking zu Ende.

Als Mitglied des Sportausschusses hatte ich die Möglichkeit, in einer siebenköpfigen Delegation zur zweiten Hälfte der Spiele zu fahren.

Neben dem Besuch der verschiedensten Wettkämpfe standen Gespräche mit politischen Stiftungen, Greenpeace, Journalisten, der WADA ( Weltantidopingagentur) der NADA ( nationale Antidopingagentur) und einem Termin mit dem stellv. Minister für Außenpolitik auf dem Programm. Wir sind mit der Mannschaftsleitung der deutschen Mannschaft im Olympischen Dorf zusammen gekommen, um die Unterbringung der Athleten selbst in Augenschein zu nehmen.
Im Vorfeld der Spiele in China wurde in der Öffentlichkeit eine zum Teil heftige Debatte über die Menschenrechtsfrage, Doping im chinesischen Sport und Umweltfragen geführt.
Immer wieder wurde die Vergabe der Spiele an China in 2001 kritisiert und in Frage gestellt.
Manche schienen schon vor dem Beginn der Spiele genau zu wissen, was geschehen wird usw.
Mich hat diese Diskussion schon etwas genervt, weil gerade die Menschenrechtsfrage aus meiner Sicht heuchlerisch geführt wurde und wird. Deutsche Firmen machen Umsätze im zweistelligen Milliardenbereich, haben an den Spielen und werden an den Paralympics verdammt viel Geld verdienen.
In den letzten Jahren hat sich in China viel verändert, es bleit noch vieles zu tun, aber wir haben nicht das Recht, unsere Maßstäbe anzusetzen.
Die vielen Tausend ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die Sportstätten gesichert, als Gides oder Betreuungspersonal im Einsatz waren, haben dies alle freiwillig und unentgeltlich getan. Für sie war es eine Ehre, an den Spielen mitwirken zu dürfen.
Und ein Kollege aus dem Kreistag meinte doch wirklich, diese Helfer seien verdonnert worden. Hier wird die große Unkenntnis über die Menschen und ein Land, dass 7800 km entfernt liegt, deutlich. Und leider ist der Willen, so ein Land und seine Menschen verstehen zu wollen, auch nicht besonders ausgeprägt.

Fakt ist, Peking hat sich als hervorragender Gastgeber erwiesen. Die Sportstätten sind die modernsten der Welt, allein das National Stadion, in dem die Leichathletikwettkämpfe stattgefunden haben, wurde von allen mit Bestnoten versehen. Meine Einschätzung des Stadions: einfach gigantisch! Die Verkehrsinfrastruktur wurde optimal auf die Menschenmassen zu den Wettkämpfen abgestellt. Mein Grüner Kollege kam aus dem Wundern nicht heraus. Wir sind abends vom Leichtathletikstadion mit der U- Bahn in s Hotel gefahren und nirgends mehr als 5 Minuten auf eine Bahn warten müssen. Dass die Bahnen voll waren, war ja normal.
Bemerkenswert war die Festlegung der Regierung, dass die Privatautos nur an jedem zweiten Tag fahren dürfen, an einem Tag die mit ungeraden Kennzeichen, am anderen die mit geraden, nur die Taxen waren von dieser Regelung ausgenommen. Beeindruckend für mich war, dass sich die Pekinger wirklich daran gehalten haben. Stellen Sie das mal in Deutschland vor?? Es wurden auch Fabriken in der Zeit der Spiele vom Netz genommen, um die Luftverschmutzung in der Metropole zu minimieren.
Am meisten hat mich die Herzlichkeit der Chinesen fasziniert, wir wurden immer mit einem Lächeln empfangen und so war die Sprachbarriere weg. Viele Helfer konnten gut englisch sprechen, weil sie für die vielen ausländischen Gäste auch sprachlich eine Unterstützung sein wollten.

Sportlich habe ich acht Sportarten besucht, als selbst aktive Leichtathletin hat es mich schon gewurmt, im Stadion zu sitzen und zusehen zu müssen, wie andere Nationen die Deutschen abgehängt haben. Die Bronzemedaille im Speerwerfen war o.k. und ein kleiner Lichtblick war für mich der Dresdener Hochspringer, der 5. wurde!
Zum Schwimmen muss ich nichts weiter sagen, an unserem Ankunftstag erschwamm Britta Steffens ihre zweite Goldmedaille und das war es.
Nach dem Ruderergebnis war es bei den Kanuten schon erfreulich, einige Medaillen auch miterleben zu dürfen.
Ich hatte zwei Highlights: einmal das Finale im Tischtennis. Nach dem Erreichen des Finales war für mich schon klar, unsere Jungs unbedingt unterstützen zu müssen. Zu dem Kräfteverhältnis in den Zuschauerrängen muss ich nicht viel kommentieren, immer wenn Chinesen am Start oder im Final sind, bebten die Ränge und die Ohren waren neuen Höchstgrenzen im Dezibelbereich ausgesetzt. Trotzdem konnten wir die Atempause der Chinesen nutzen und akustisch zu den Spielern Boll und Co durchdringen.
Ich habe bisher nie Hockey gesehen oder mich dafür interessiert. So waren die Spiele für mich schon spannend, denn wenn ich das Halbfinale der Herren denke, wird mir noch heute heiß, obwohl es regnete und wir völlig durchnässt waren. Und dass wir dann das Finale gewonnen haben gegen die Spanier, war einfach sensationell.
Mit dem niederländischen Prinzen habe ich einen Deal geschlossen. Nachdem die Hockeyfrauen der NL und quasi rausgekickt haben und Olympiasieger wurden. War es einfach nur fair, dass wir bei den Herren siegen, nachdem seine Herren 4. und unsere Frauen 4. wurden. Er war einverstanden. Im Übrigen waren die Niederländer in diesem Endspiel für die Deutschen, was auch nicht immer vorkommt!
Ein persönliches Erlebnis mit dem stärksten Mann der Welt hatte ich auch. Und ich kann allen Leserinnen und Lesern berichten, dass Matthias Steiner ein ganz sympathischer und natürlicher Mensch ist. Er hat stundenlang still gehalten, wenn Gäste im Deutschen Haus ein Bild mit ihm wollten. Er hat viele Frauenherzen gewonnen, weil ein Koloss seine Emotionen zeigen kann. Sein persönliches Schicksal hat nicht nur mich berührt.

Insgesamt habe ich viel erlebt, konnte mit Sportlerinnen und Sportlern, mit Trainern, Betreuern, Ärzten ins Gespräch kommen oder die architektonisch interessanten Bauten bestaunen.
Überhaupt haben sich die Architekten in Peking so richtig austoben dürfen.

Ich wünsche mir, dass wir in Deutschland die Frage der Sportförderung neu stellen. Es muss eine Durchlässigkeit beginnend von der Talentesichtung über die Sportschulen, die Rolle der Länder im föderalen System, bis hin zur Vereinbarkeit von Sport und Beruf/ Studium/ Ausbildung. Wir werden auch darüber reden müssen, wie die Sportlerinnen und Sportler nach ihrer Karriere abgesichert werden, denn nicht alle verdienen so viel Geld, dass sie davon später leben können. Politik muss eine Antwort darauf geben, wie attraktiv machen wir den (kurzweiligen) Beruf des Sportlers?
Außenpolitisch sind wir gut beraten, mit China im Gespräch zu bleiben. Es gibt schon sehr viele Formen von Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China, diese müssen ausgebaut werden. Wichtig für China ist eine Stabilisierung im Land, die Unterschiede zwischen den Metropolen und dem flachen Land dürfen nicht weiter auseinandergehen. Die Bildung der Menschen ist dabei die entscheidende Frage. Und umweltpolitisch brauchen sie auch unsere Unterstützung, nicht den Zeigefinger. Im Übrigen ist Greenpeace dort eine sehr agile Organisation, die wirkt.

Sollte ich noch einmal nach China reisen, wünsche ich mir eine funktionierende Internetleitung.