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Vor
einigen Tagen gingen die XXIX. Olympischen Sommerspiele in Peking
zu Ende.
Als Mitglied des Sportausschusses hatte
ich die Möglichkeit, in einer siebenköpfigen Delegation
zur zweiten Hälfte der Spiele zu fahren.
Neben dem Besuch der verschiedensten
Wettkämpfe standen Gespräche mit politischen Stiftungen,
Greenpeace, Journalisten, der WADA ( Weltantidopingagentur)
der NADA ( nationale Antidopingagentur) und einem Termin mit
dem stellv. Minister für Außenpolitik auf dem Programm.
Wir sind mit der Mannschaftsleitung der deutschen Mannschaft
im Olympischen Dorf zusammen gekommen, um die Unterbringung
der Athleten selbst in Augenschein zu nehmen.
Im Vorfeld der Spiele in China wurde in der Öffentlichkeit
eine zum Teil heftige Debatte über die Menschenrechtsfrage,
Doping im chinesischen Sport und Umweltfragen geführt.
Immer wieder wurde die Vergabe der Spiele an China in 2001 kritisiert
und in Frage gestellt.
Manche schienen schon vor dem Beginn der Spiele genau zu wissen,
was geschehen wird usw.
Mich hat diese Diskussion schon etwas genervt, weil gerade die
Menschenrechtsfrage aus meiner Sicht heuchlerisch geführt
wurde und wird. Deutsche Firmen machen Umsätze im zweistelligen
Milliardenbereich, haben an den Spielen und werden an den Paralympics
verdammt viel Geld verdienen.
In den letzten Jahren hat sich in China viel verändert,
es bleit noch vieles zu tun, aber wir haben nicht das Recht,
unsere Maßstäbe anzusetzen.
Die vielen Tausend ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die
Sportstätten gesichert, als
Gides oder Betreuungspersonal im Einsatz waren, haben dies alle
freiwillig und unentgeltlich getan. Für sie war es eine
Ehre, an den Spielen mitwirken zu dürfen.
Und ein Kollege aus dem Kreistag meinte doch wirklich, diese
Helfer seien verdonnert worden. Hier wird die große Unkenntnis
über die Menschen und ein Land, dass 7800 km entfernt liegt,
deutlich. Und leider ist der Willen, so ein Land und seine Menschen
verstehen zu wollen, auch nicht besonders ausgeprägt.
Fakt ist, Peking hat sich als hervorragender
Gastgeber erwiesen. Die Sportstätten sind die modernsten
der Welt, allein das National Stadion, in dem die Leichathletikwettkämpfe
stattgefunden haben, wurde von allen mit Bestnoten versehen.
Meine Einschätzung des Stadions: einfach gigantisch! Die
Verkehrsinfrastruktur wurde optimal auf die Menschenmassen zu
den Wettkämpfen abgestellt. Mein Grüner Kollege kam
aus dem Wundern nicht heraus. Wir sind abends vom Leichtathletikstadion
mit der U- Bahn in s Hotel gefahren und nirgends mehr als 5
Minuten auf eine Bahn warten müssen. Dass die Bahnen voll
waren, war ja normal.
Bemerkenswert war die Festlegung der Regierung, dass die Privatautos
nur an jedem zweiten Tag fahren dürfen, an einem Tag die
mit ungeraden Kennzeichen, am anderen die mit geraden, nur die
Taxen waren von dieser Regelung ausgenommen. Beeindruckend für
mich war, dass sich die Pekinger wirklich daran gehalten haben.
Stellen Sie das mal in Deutschland vor?? Es wurden auch Fabriken
in der Zeit der Spiele vom Netz genommen, um die Luftverschmutzung
in der Metropole zu minimieren.
Am meisten hat mich die Herzlichkeit der Chinesen fasziniert,
wir wurden immer mit einem Lächeln empfangen und so war
die Sprachbarriere weg. Viele Helfer konnten gut englisch sprechen,
weil sie für die vielen ausländischen Gäste auch
sprachlich eine Unterstützung sein wollten.
Sportlich habe ich acht Sportarten besucht,
als selbst aktive Leichtathletin hat es mich schon gewurmt,
im Stadion zu sitzen und zusehen zu müssen, wie andere
Nationen die Deutschen abgehängt haben. Die Bronzemedaille
im Speerwerfen war o.k. und ein kleiner Lichtblick war für
mich der Dresdener Hochspringer, der 5. wurde!
Zum Schwimmen muss ich nichts weiter sagen, an unserem Ankunftstag
erschwamm Britta Steffens ihre zweite Goldmedaille und das war
es.
Nach dem Ruderergebnis war es bei den Kanuten schon erfreulich,
einige Medaillen auch miterleben zu dürfen.
Ich hatte zwei Highlights: einmal das Finale im Tischtennis.
Nach dem Erreichen des Finales war für mich schon klar,
unsere Jungs unbedingt unterstützen zu müssen. Zu
dem Kräfteverhältnis in den Zuschauerrängen muss
ich nicht viel kommentieren, immer wenn Chinesen am Start oder
im Final sind, bebten die Ränge und die Ohren waren neuen
Höchstgrenzen im Dezibelbereich ausgesetzt. Trotzdem konnten
wir die Atempause der Chinesen nutzen und akustisch zu den Spielern
Boll und Co durchdringen.
Ich
habe bisher nie Hockey gesehen oder mich dafür interessiert.
So waren die Spiele für mich schon spannend, denn wenn
ich das Halbfinale der Herren denke, wird mir noch heute heiß,
obwohl es regnete und wir völlig durchnässt waren.
Und dass wir dann das Finale gewonnen haben gegen die Spanier,
war einfach sensationell.
Mit dem niederländischen Prinzen habe ich einen Deal geschlossen.
Nachdem die Hockeyfrauen der NL und quasi rausgekickt haben
und Olympiasieger wurden. War es einfach nur fair, dass wir
bei den Herren siegen, nachdem seine Herren 4. und unsere Frauen
4. wurden. Er war einverstanden. Im Übrigen waren die Niederländer
in diesem Endspiel für die Deutschen, was auch nicht immer
vorkommt!
Ein persönliches Erlebnis mit dem stärksten Mann der
Welt hatte ich auch. Und ich kann allen Leserinnen und Lesern
berichten, dass Matthias Steiner ein ganz sympathischer und
natürlicher Mensch ist. Er hat stundenlang still gehalten,
wenn Gäste im Deutschen Haus ein Bild mit ihm wollten.
Er hat viele Frauenherzen gewonnen, weil ein Koloss seine Emotionen
zeigen kann. Sein persönliches Schicksal hat nicht nur
mich berührt.
Insgesamt habe ich viel erlebt, konnte
mit Sportlerinnen und Sportlern, mit Trainern, Betreuern, Ärzten
ins Gespräch kommen oder die architektonisch interessanten
Bauten bestaunen.
Überhaupt haben sich die Architekten in Peking so richtig
austoben dürfen.
Ich wünsche mir, dass wir in Deutschland
die Frage der Sportförderung neu stellen. Es muss eine
Durchlässigkeit beginnend von der Talentesichtung über
die Sportschulen, die Rolle der Länder im föderalen
System, bis hin zur Vereinbarkeit von Sport und Beruf/ Studium/
Ausbildung. Wir werden auch darüber reden müssen,
wie die Sportlerinnen und Sportler nach ihrer Karriere abgesichert
werden, denn nicht alle verdienen so viel Geld, dass sie davon
später leben können. Politik muss eine Antwort darauf
geben, wie attraktiv machen wir den (kurzweiligen) Beruf des
Sportlers?
Außenpolitisch
sind wir gut beraten, mit China im Gespräch zu bleiben.
Es gibt schon sehr viele Formen von Zusammenarbeit zwischen
Deutschland und China, diese müssen ausgebaut werden. Wichtig
für China ist eine Stabilisierung im Land, die Unterschiede
zwischen den Metropolen und dem flachen Land dürfen nicht
weiter auseinandergehen. Die Bildung der Menschen ist dabei
die entscheidende Frage. Und umweltpolitisch brauchen sie auch
unsere Unterstützung, nicht den Zeigefinger. Im Übrigen
ist Greenpeace dort eine sehr agile Organisation, die wirkt.
Sollte ich noch einmal nach China reisen,
wünsche ich mir eine funktionierende Internetleitung.
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