17.10.2010 – Berlin - Abgeordneten-Telegramm 150
Welttag zur Überwindung der Armut
Heute ist der „Welttag zur Überwindung der Armut“, er wurde 1992 von den Vereinten Nationen erklärt.
Als die Mitglieder der Generalversammlung diesen Tag erklärten, hatten sie sicher nicht Deutschland im Blick, sondern vielmehr lateinamerikanische, afrikanische oder asiatische Länder.
Dennoch gibt es in Deutschland Armut. Ich erinnere mich an einen Antrag im Stendaler Kreistag, als meine Fraktion die Möglichkeiten ausloten wollte, wie denn der Landkreis Folgen von Kinderarmut lindern könne… Da wurden wir gefragt, was ist denn eigentlich Armut?
Armut ist, wenn Menschen von ihrer Arbeit, trotz acht bis zehn Stunden auf den Beinen, nicht leben können und zusätzlich vom Staat Geld benötigen, um über die Runden zu kommen. Armut ist, wenn Menschen zu den in der Altmark mittlerweile zehn Ausgabestellen der Tafel gehen müssen, um sich und ihre Familie zu ernähren.
Durch zu geringe Einkommen findet Kunst, Kultur oder Sport nicht mehr statt. Höhere Schulabschlüsse kosten Geld. Und so verarmen Menschen in unserer Region an sozialen Kontakten oder an Bildung und am Zugang zu modernen Medien.
Und wenn Kinder in Armut leben müssen, ist das ein Armutszeugnis dieser Gesellschaft! Ca. viertausendfünfhundert Kinder leben im Landkreis Stendal „statistisch“ gesehen in Armut.
Sie starten unter erschwerten Bedingungen ins Leben und haben oft keinen Zugang zu wichtigen Angeboten.
Vielleicht schauen Sie, liebe Leserinnen und Leser, künftig genauer hin. Lassen Sie nicht zu, dass Ihr Nachbar/in oder Bekannte/r oder Verwandte/r sich vor Scham zurückzieht.
Wir reden zu viel über Menschen, aber zu wenig mit ihnen! Denn wenn wir mehr mit denen ins Gespräch kommen, nützt es der Gesellschaft.
Ihre Katrin Kunert
Fraktion Die LINKE im Bundestag